Schmerz, lass nach! Wie Schmerzen entstehen und was wirklich hilft
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Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers. Dieser Artikel erklärt, wie sie entstehen, welche Arten es gibt und warum nicht immer sofort Medikamente nötig sind.
19.02.2026
Text: Ute Stabingies
Wir alle kennen sie: hämmernde Kopfschmerzen, quälende Gelenk- oder krampfende Menstruationsschmerzen. Schmerzen braucht niemand und meistens erwischen sie uns zur Unzeit. Schmerzen sind aber auch ein wichtiges Alarmsignal, denn wenn es irgendwo wehtut, stimmt etwas nicht in unserem Körper.
In den meisten Fällen plagen uns akute Schmerzen, zum Beispiel nach einem Sturz oder infolge von Entzündungen. Treten Schmerzen über einen längeren Zeitraum oder immer wiederkehrend auf, spricht man von chronischen Schmerzen. Rund 28 Prozent aller Deutschen sind davon betroffen. Hilfe, um den Alltag in den Griff zu bekommen, finden Patientinnen und Patienten in spezialisierten Schmerzzentren. „Spitzenreiter bei den chronischen Schmerzerkrankungen sind Rücken- und Kopfschmerzen“, bestätigt Dr. Philipp Müller-Schwefe. Er ist leitender Arzt des Schmerz- und Palliativzentrums Göppingen und berichtet von steigender Nachfrage. „Es fehlen Schmerzfachleute. Wir könnten 24 Stunden arbeiten und würden gerade mal die Hälfte aller Leidenden versorgen.“
Gerade bei Rückenschmerzen gebe es immer noch Aufklärungsbedarf. „Viele Patientinnen und Patienten befürchten, dass Bewegung ihre Schmerzen verschlimmert, wobei gerade Muskeltraining eine bessere Schmerzkontrolle fördert.“
Schmerz: Arten und Entstehung
Zu den häufigsten Schmerzen zählen die sogenannten Nozizeptor-Schmerzen. Sie treten als oberflächliche (somatische) und tiefe (viszerale) Schmerzen auf. Ursache für somatische Schmerzen sind meist Hautverletzungen oder Verletzungen der Muskeln oder Knochen und sie sind gut lokalisierbar. Viszerale Schmerzen dagegen sind oft drückend oder krampfartig und haben ihren Ursprung in inneren Organen wie Magen oder Darm.
Eine weitere Form sind Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen). Sie werden oft als brennend oder einschießend empfunden, wie zum Beispiel bei einer Gürtelrose. Zu den heftigsten Schmerzen zählen der Geburtsschmerz und Trigeminus-Neuralgien im Gesicht.
Schmerz entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Prozesse, der sogenannten Nozizeption. In einer ersten Stufe erkennen spezielle Schmerzrezeptoren schädigende Reize wie Hitze oder starken Druck. Diese Reize werden in elektrische Signale umgewandelt, über Nervenfasern zum Rückenmark und schließlich zum Gehirn geleitet. Erst dort nehmen wir den Schmerz bewusst wahr. Körpereigene Endorphine können Schmerzen dämpfen.
Schmerz mit Augenmaß behandeln
Bei Rücken- und Nervenschmerzen haben sich zum Beispiel Cannabinoide als vielversprechend gezeigt, es fehlen jedoch noch langfristige Studien. Gynäkologen fordern auch beim Thema Menstruationsschmerzen mehr Aufklärung. Laut einer Erhebung der Kinderrechtsorganisation Plan International, die sich schwerpunktmäßig für die Gleichberechtigung von Mädchen einsetzt, greifen knapp 40 Prozent aller Frauen bei Menstruationsbeschwerden regelmäßig zu Schmerzmitteln. Gerade junge Frauen empfinden die Situation, trotz Schmerzen weiter funktionieren zu müssen, als besonders belastend und greifen tendenziell häufiger als männliche Jugendliche bei Bauchschmerzen zum Beispiel zu Ibuprofen.
In Deutschland gehören Schmerzmittel zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten. Fachleute warnen bereits seit Jahren vor der unkontrollierten Einnahme, insbesondere bei Jugendlichen. „Selbst in einem niederschwelligen Bereich sind kritische Nebenwirkungen nicht auszuschließen“, sagt Müller-Schwefe. Über einen längeren Zeitraum verwendet, können Schmerzmittel das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen und die Leber- und Nierenfunktion schädigen. Deshalb warnt der Schmerzmediziner: „Der Trend, einfach eine Pille zu nehmen, wenn es mir mal nicht gut geht, ist definitiv der falsche Weg.“
Schnelle Schmerz-Helfer
- Ablenkung: Ein Eis kann bei kleinen Kindern bekanntlich Wunder bewirken und den Schmerz vergessen lassen. Sanfte Berührungen, Yoga oder entspannende Musik: Einfach ausprobieren, was guttut. Positive Gefühle helfen, Schmerzen weniger stark zu empfinden.
- Aktiv bleiben: Bei muskulären Schmerzen helfen Wärme und Bewegung. Bei Regelschmerzen können ein Heizkissen oder progressive Muskelentspannung hilfreich sein.
- Der Griff ins Eisfach: Bei Prellungen entlasten kühlende Umschläge das Gewebe.
- Auf die Ursache achten: Am besten nicht irgendeine Schmerztablette nehmen. Entzündungshemmer helfen nur bei Entzündungen. Um Nervenschmerzen zu lindern, sollten Medikamente eingenommen werden, die gezielt Nerven entspannen.


