Zum Hauptinhalt springen
Bosch BKK

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Fotos: AdobeStock monropic, Peter Schreiber, baibaz, rainbow33, meteo021, FormaA, ollinka2, ThomasFrancois, pilipenko

Ob Vitamine, Mineralien oder Spurenelemente – viele Menschen schlucken jeden Tag Nahrungsergänzungsmittel. Ist das überhaupt sinnvoll?

„Alles was dein Körper braucht“, „Das Beste aus Obst und Gemüse“, „Fördert dein tägliches Wohlbefinden“ – das sind typische Werbeslogans für Nahrungsergänzungsmittel (NEG). Dass die Werbung wirkt, zeigen folgende Zahlen: Rund 30 Prozent aller Deutschen schlucken regelmäßig NEG, insgesamt geben sie rund eine Milliarde Euro pro Jahr für Vitamine, Mineralstoffe und Co. in Pillenform aus. Anders sieht es mit der tatsächlichen Wirksamkeit dieser Präparate aus. Kaum eine Studie konnte einen Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln nachweisen. Ganz im Gegenteil: Wer zu hohe Konzentrationen einnimmt, kann seiner Gesundheit damit sogar schaden.

Symbolbild Nahrungsergänzungsmittel
Deutsche geben jährlich rund eine Milliarde Euro für Vitamine, Mineralstoffe und Co. in Pillenform aus.

Mangel in Deutschland?

Anbieter von NEG behaupten, dass ihre Produkte einen Mangel an lebenswichtigen Stoffen ausgleichen können. Das ist aber meist gar nicht nötig. In Deutschland nimmt der Großteil der Bevölkerung über die Nahrung genügend Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente auf. Ausnahmen: Säuglinge bekommen vom Kinderarzt Fluorid und Vitamin D verschrieben, um Karies und Rachitis vorzubeugen. Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch wird geraten, Folsäure-Präparate einzunehmen. Und wer sich vegan ernährt, kann eventuell einen Mangel an Eisen und Vitamin B12 entwickeln, da diese Stoffe in rein pflanzlicher Ernährung kaum vorkommen.

Natürlicher Cocktail

Und wie sieht es mit Fast-Food-Liebhabern aus, die nur TK-Pizza oder Pommes essen wollen? Könnten die wertvollen Inhaltsstoffe aus Obst und Gemüse nicht durch NEG ersetzen? Leider nein. Diese Präparate liefern nur einzelne, künstlich isolierte Vitamine oder Mineralstoffe, während in Obst und Gemüse Hunderte weitere Substanzen enthalten sind, die unser Körper braucht – beispielsweise Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Spurenelemente. Wie all diese Stoffe im Körper zusammenwirken, ist bisher kaum erforscht. Außerdem nimmt der Körper aus der Nahrung nur so viel dieser Substanzen auf, wie er braucht. Schlucken wir die Stoffe in Pillenform, kann es zu einer Überdosierung kommen.

Viel hilft nicht viel

Da NEG keine Medikamente sind, glauben viele Menschen, dass man damit keinen Schaden anrichten kann. Das gilt aber nicht für alle Präparate. Wer zu viel Vitamin-C-Pillen geschluckt hat, produziert nur teuren Urin. Vitamin C ist wasserlöslich, ein Zuviel des Vitamins scheidet der Körper einfach wieder aus. Anders sieht es bei den fettlöslichen Vitaminen A und D aus. Diese wird der Körper nicht so schnell wieder los. Zu viel Vitamin D kann den Nieren schaden, eine Überdosierung von Vitamin A während der Schwangerschaft erhöht das Risiko von Fehlbildungen beim Kind. Problematisch ist, dass Inhaltsstoffe und Konzentrationen von NEG anders als bei Medikamenten nicht kontrolliert werden. In einer Untersuchung der Verbraucherzentralen wurde festgestellt, dass beispielsweise 64 Prozent aller Magnesiumpräparate überdosiert waren – was zu Nebenwirkungen wie Durchfall oder Erbrechen führen kann. Deshalb gilt generell: Zu NEG sollte nur gegriffen werden, wenn ein Arzt einen tatsächlichen Mangel an bestimmten Nährstoffen festgestellt hat und die Einnahme empfiehlt.

NEG-Top-Seller im Überblick

Hülsenfrüchte
Eisen: Spielt bei Blutbildung und Sauerstofftransport eine wichtige Rolle. Nach stärkeren Blutungen, während des Wachstums oder einer Schwangerschaft kann es zu Eisenmangel kommen. Enthalten u.a. in Fleisch, Hülsenfrüchten, Sojabohnen, Sesam, Leinsamen.
Milchprodukte
Kalzium: Wichtig für Knochen, Zähne, Muskeln und Nerven. Ein Risiko für Kalziummangel haben Frauen nach den Wechseljahren und Senioren. Ist enthalten u. a. in Milchprodukten, Brokkoli oder Blattspinat.
Erbsen
Magnesium: Beteiligt an Energiestoffwechsel, Muskel und vielen Nervenfunktionen. Enthalten u. a. in Bohnen, Erbsen, Vollkornprodukten, Sonnenblumenkernen und Nüssen.
Lachsfilet
Omega-3-Fettsäuren: Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, positiver Einfluss auf Cholesterin- und Triglyceridspiegel, Sehkraft, Gehirn- und Herzfunktion. Enthalten in Fisch, Raps-, Soja- und Leinöl sowie in Walnüssen.
Zitronenscheiben
Vitamin C: Positiver Einfluss auf Immunsystem, Bindegewebe, Knorpel und Knochen. Fördert die Eisenaufnahme und fängt giftige Stoffe im Körper ab. Enthalten in Gemüse (u. a. Paprika, Rosenkohl, Brokkoli) und vielen Obstsorten.
Eier
Vitamin D: Hält Knochen und Zähne stabil, kann nur mithilfe von Sonnenlicht im Körper gebildet werden. Kommt vor in Fisch, Fleisch, Milchprodukten, Meerestieren, Eiern, Champignons (roh).
Walnüsse
Zink: Lebenswichtiges Spurenelement. Bestandteil vieler Enzyme und beteiligt an zahlreichen Stoffwechselprozessen. Wichtig unter anderem für Immunsystem, Haut, Haare, Wundheilung. Enthalten in Fisch, Fleisch, Eiern, Hartkäse sowie in Hülsenfrüchten, Haferflocken und Nüssen.
/