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Gemeinsame Pressemitteilung: AOK-Selektivverträge in Baden-Württemberg – Jeder fünfte Euro kommt der alternativen Regelversorgung zugute

Stuttgart, 24. Februar 2016.

Hausarzt- und Facharztverträge sind in Baden-Württemberg eine fest etablierte Alternative zur KV-Regelversorgung. Auch für 2015 legten die Selektivverträge von AOK, Bosch BKK und Arztverbänden (MEDI Baden-Württemberg, Hausärzteverband, fachärztliche Berufsverbände) bei teilnehmenden Versicherten, Ärzten sowie der Honorarentwicklung deutlich zu: Bei der AOK Baden-Württemberg flossen im letzten Jahr bereits mehr als ein Fünftel der Ausgaben für die ambulante ärztliche Versorgung in die Selektivverträge. Derzeit verhandeln die Vertragspartner einen neuen Vertrag mit den Urologen sowie ein Rheumatologiemodul, das den bestehenden Orthopädievertrag ergänzt. Und mit Spannung erwarten die Vertragspartner in Baden-Württemberg die neuen Ergebnisse der dritten wissenschaftlichen Auswertung des AOK-Hausarztvertrages. Sie sollen am 15. Juni 2016 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das Honorarvolumen in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) ist bei der AOK Baden-Württemberg im vergangenen Jahr um gut neun Prozent auf knapp 377 Millionen Euro gestiegen (+ 9,2 %). Im gemeinsamen FacharztProgramm mit der Bosch BKK stiegen die Vergütungen sogar um 25 Prozent auf rund 84 Millionen Euro. Das Gesamthonorarvolumen belief sich damit auf rund 461 Millionen Euro (+11,7 %). Die positive Entwicklung der Selektivverträge spiegelt sich auch in der Zahl teilnehmender Ärzte und Psychotherapeuten sowie eingeschriebener Versicherter wider: Ende 2015 nahmen insgesamt 5.380 Ärzte und Psychotherapeuten, davon 3.934 Haus- und Kinderärzte (+2,6 %) und 1.471 Fachärzte und Psychotherapeuten (+7,6 %) an den Selektivverträgen teil. Die Zahl der eingeschriebenen HZV-Versicherten stieg 2015 auf hohem Niveau weiter um 7,3 % auf insgesamt 1,361 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In den Verträgen mit mittlerweile sechs Facharztgruppen nahm die Zahl der eingeschriebenen Versicherten von AOK und Bosch BKK 2015 um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr zu. „Die vorliegenden Zahlen bestätigen uns auf unserem Weg einer umfassenden qualitätsorientierten ambulanten Versorgung. Seit 2011 ist der Vergütungsanteil der AOK-Selektivverträge an der ambulanten Versorgung bereits von rund 14 Prozent auf mittlerweile deutlich mehr als ein Fünftel angestiegen“, so der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg Dr. Christopher Hermann.

„Zu der positiven Entwicklung haben 2015 alle Facharztverträge beigetragen“, so Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland: „Insbesondere der Orthopädievertrag als auch das Pädiatriemodul im HZV-Vertrag kommen sehr gut an, weil sie genau auf die regionalen Versorgungsbedürfnisse in Baden-Württemberg zugeschnitten sind. Den Praxen bieten sie mehr Planungssicherheit und eine bessere Bezahlung, während unsere Patienten insbesondere die strukturierte Vernetzung von Hausarzt- und Facharztpraxen schätzen.“ Die Vertragspartner erwarten auch 2016 eine kontinuierliche Steigerung der Teilnahmezahlen – insbesondere durch zwei weitere Bausteine im FacharztProgramm, die derzeit in Verhandlung sind: der Urologie-Vertrag sowie das Zusatzmodul Rheumatologie im Orthopädievertrag.

Eine wesentliche Errungenschaft der HZV ist die Stärkung der koordinierenden Rolle des Hausarztes, so Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. Von den neuen Ergebnissen der mittlerweile seit fünf Jahren laufenden wissenschaftlichen HZV-Evaluation erwarte er zu dieser Fragestellung und zum Zusammenspiel mit den Fachärzten neue Erkenntnisse, die die Vorteile der Selektivverträge gegenüber der Regelversorgung in Zahlen und Fakten weiter untermauern.

Angesichts der hohen Zahl der teilnehmenden Hausärzte dürfe nach seiner Ansicht jedoch nicht vergessen werden, dass inzwischen jeder dritte Hausarzt in Baden-Württemberg älter als 60 Jahre ist und viele davon in nächster Zeit aus dem Berufsleben ausscheiden werden: Die Zahl der praktizierenden Hausärzte hat im Südwesten seit 2008 um rund acht Prozent abgenommen. Diese demographische Entwicklung mache auch vor der HZV nicht halt, erklärt Dietsche: „2016 wird es deshalb erstmalig zu einem leichten Rückgang bei der Zahl der eingeschriebenen Hausärzte kommen.“ Positiv bewertet er einen anderen Trend. In den HZV-Praxen steigt erfreulicherweise die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte kontinuierlich, was in den offiziellen Vertragsstatistiken noch gar nicht zum Ausdruck kommt. „Neben der HZV als wichtige Errungenschaft zur Aufwertung des Hausarztberufes sind verstärkt weitere gemeinsame Anstrengungen nötig, um den absehbar rückläufigen Hausarztzahlen wirksam zu begegnen“, so der Appell Dietsches.

Entwicklung des Hausarzt- und FacharztProgramms nach Fachgruppen
(FacharztProgramm seit 2013 inklusive Bosch BKK)

  • 2008: HZV-Vertrag
  • 2010: Kardiologie
  • 2011: Gastroenterologie
  • 2012: Psychotherapie
  • 2013: Neurologie/Psychiatrie
  • 2014: Orthopädie/Unfallchirurgie
  • 2014: Kinder- und Jugendmedizin (Modul des HZV-Vertrages)
  • 2016: in Verhandlung: Urologie/Rheumatologie