Gesundheitspolitische Kommentare

 
Kundenberaterin im Kundengespräch
56 Betriebskrankenkassen in Baden-Württemberg, darunter die Bosch BKK, haben mit dem Deutschen Hausärztever-
band und dem Ärztenetz Mediverbund einen Vertrag zur Hausarztzentrierten Versorgung geschlossen. Dazu kommentiert der Vorstand der Bosch BKK Bernhard Mohr (05.11.2009):

"Der jetzt vereinbarte Vertrag zur Hausarztzentrierten Versor-
gung setzt das fort, was wir als Bosch BKK bereits vor zweieinhalb Jahren – mit unserem Vorgängervertrag zur hausarztzentrierten Versorgung und Patientenbeglei-
tung – mit unseren heutigen Vertragspartnern begonnen haben: in Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten, Patientenbegleitern unserer Kasse und den Versicherten die Versorgung zum Wohle aller Beteiligten zu verbessern. Dass dies tatsächlich funktioniert, haben der Erfolg unseres bisherigen Vertrages und die Akzeptanz, die er sowohl auf Seiten der Versicherten als auch der teilnehmenden Ärzte erreicht hat, bereits bewiesen.

Entscheidend für diesen Erfolg ist für uns vor allem der Einstieg in eine aktive und zielgenaue Steuerung des Patienten durch den Hausarzt. Wir stellen sicher, dass der Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten reibungslos funktioniert und dass alle Beteiligten intensiver als bisher zusammenarbeiten, zum Beispiel bei der Betreuung von Patienten mit schweren oder bestimmten chronischen Erkrankungen.

Die Versicherten profitieren nicht nur von konkreten Servicevorteilen wie einer Abendterminsprechstunde, der Reduzierung der Wartezeit bei vereinbarten Terminen auf 30 Minuten, der Hilfe bei der Terminvermittlung in dringenden Fällen oder der Überprüfung des Impfstatus. Mindestens genauso wichtig ist, dass sich der Arzt jetzt mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten nehmen kann und  dass er sich um die reibungslose Weiterbehandlung durch Fachärzte oder im Krankenhaus kümmert. Auch die Krankenkasse kann ihren Anteil leisten: So konnten wir beispielsweise im Rahmen unseres bisherigen Vertrages schnellere Reha-Termine und eine termingerechtere Versorgung mit Hilfsmitteln für unsere Versicherten erreichen – und wir haben auch nachgehakt, ob die Versicherten mit den verordneten Hilfsmittels überhaupt zurecht kamen und sie wie vorgesehen einsetzen konnten.

Gerade für Kassen mit starker regionaler Ausrichtung wie die Bosch BKK bietet die Zusammenarbeit mit den Hausärzten auch die Chance, langfristig eine funktionierende wohnort-
nahe Versorgung sicherzustellen. Dies wird schon allein vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit immer mehr multimorbiden und chronisch kranken Menschen immer wichtiger. Wer sich jetzt nicht dieser Thematik annimmt, verliert Zeit, um die hierfür notwendigen Strukturen zu schaffen und die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort zu regeln.

Nach unseren Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten wird sich der neue HzV-Vertrag für uns rech-
nen. Höhere Ausgaben für Honorare stehen Einsparungen gegenüber, die sich – auch aus der Sicht der Versicherten – aus nicht notwendigen Verordnungen ergeben. Zum Beispiel im Hilfsmittelbereich: Wenn ein Badesitz verordnet wird, der aufgrund der baulichen Voraussetzungen im Bad des Versicherten gar nicht richtig genutzt werden kann, sind das unnötige Kosten, die vermieden werden können. Oder wenn ein Rollstuhl zur Fortbewegung in der Wohnung verordnet wird, aber der Versicherte damit nicht bis ans Bett gelangt, weil der Rollstuhl nicht zwischen Bett und Schrank passt: Dann wäre ein Gehwagen in dieser Situation ggf. die bessere und preisgünstigere Lösung – und auch im Interesse des Patienten. Auch indem Arzneimittel wirtschaftlich eingesetzt werden, kann Geld gespart werden. Und wer nach einem Klinikaufenthalt zu Hause besser versorgt ist, hat ein geringeres Risiko, aufgrund eines Rückfalls wieder ins Krankenhaus zu müssen.

Als nächster Schritt ist jetzt wichtig, dem Vertrag zur Haus-
arztzentrierten Versorgung weitere Verträge über besondere ambulante ärztliche und integrierte Versorgungsformen folgen zu lassen, in die zum Beispiel die Krankenhäuser eingebun-
den sind. Dabei geht es auch darum, Patienten kurzfristige Termine zu verschaffen. Und darum, den Weg von der stationären in die ambulante Versorgung zu begleiten und durch einen reibungslosen Übergang zu erleichtern. Wer sich als Patient auf ein bestimmtes Betreuungskonzept einlässt, soll hierfür eine bessere Behandlung sowie Boni bekommen.

Wir sind davon überzeugt, dass solche Versorgungsmodelle, bei denen Haus- und Fachärzte, Kliniken und Kassen eng zusammenarbeiten, die Zukunft sind. Deshalb hätten wir den Vertrag auf jeden Fall geschlossen, auch unabhängig von der Vorgabe des Gesetzgebers an die gesetzlichen Kassen, Hausarztprogramme anzubieten."