Vorstand Bernhard Mohr kommentiert die Diskussion um die Ärztevergütungen (01.04.2009)
Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht die Honorarsituation niedergelassener Ärzte diskutiert wird – und das vor dem Hintergrund von um rund 3 Mrd. Euro erhöhten ärztlichen Vergütungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Klar ist, dass sich vor allem die Verlierer äußern. Dies allein wäre nicht bemerkenswert. Es ist jedoch deren Anzahl und bundesweite Verteilung, die die Angelegenheit zum Problem machen.
Im ersten Quartal 2009 erhielten die niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg rund 20 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Bei einem Gesamtvolumen von rund 829 Mio. Euro waren dies immerhin rund 2,4 %. Schaut man auf die Verteilung zwischen Haus- und Fachärzten, so waren die Hausärzte mit einem Minus von rund 3,6 % gegenüber den Fachärzten (- 0,6 %) überproportional betroffen. Natürlich kann man anführen, dass das Vergütungsniveau in Baden-Württemberg bisher überproportional hoch war und für eine bundesweit einheitliche Lösung Opfer gebracht werden müssen. Nur Solidarität einzufordern, ist aber keine Lösung. Zu stark sind auch innerhalb der Fachärzte die Verwerfungen (z. B. zwischen Radiologen und Nervenärzten). Forderungen nach Solidarität klingen für sie geradezu zynisch.
Vor diesem Hintergrund ist es für die Ärzte nur ein schwacher Trost, dass der Gesetzgeber auch Möglichkeiten geschaffen hat, dieser Vergütungssystematik auszuweichen. Kassen können Verträge mit Haus- und Fachärzten schließen und die Leistungen für die eingeschriebenen Versicherten bei den Kassenärztlichen Vereinigungen aus der so genannten Gesamtvergütung herausnehmen. Dieses Geld verteilen sie selbst an die Ärzte. Das gelingt nicht von heute auf morgen, da das seit Jahrzehnten geltende System der Geldverteilung auf den Kopf gestellt wird – bisher hatten nur Kassenverbände und Kassenärztliche Vereinigungen zu entscheiden.
Vorreiter auf dem neuen, zukunftsweisenden Weg sind derzeit die AOKen in Baden-Württemberg und Bayern. Aber auch die Bosch BKK geht mit ihren Arztverträgen in diese Richtung. Für ihre Versicherten ist es erfreulich, bei Vertragsärzten als Patienten willkommen zu sein. Dies wird auch künftig so sein. Derzeit arbeiten wir mit unseren Partnern intensiv an der Weiterentwicklung unserer Verträge. Vielleicht sind in Kürze sogar Terminabsprachen oder Abendsprechstunden möglich. Die Gespräche geben Anlass zur Hoffnung.