Patientenbegleiterin erleichtert Weg durch die Behandlung
Enge Zusammenarbeit zwischen Reutlinger Ärzten, Kliniken und Bosch BKK
Reutlingen, 5. Juni 2008. Wer nach der Behandlung einer schweren Erkrankung aus dem Krankenhaus entlassen wird, tut sich oft schwer, zu Hause zurechtzukommen. Die Patien-
tenbegleiterinnen der Bosch BKK, Mandy Kopp und Christine Müller, bieten in dieser Situation konkrete Hilfe an: Sie über-
nehmen organisatorische Aufgaben, helfen bei der Beantra-
gung von Reha- oder Pflegeleistungen und geben Empfeh-
lungen zu Hilfsmitteln. So wie im Fall eines 77-jährigen Versicherten aus Reutlingen, der aufgrund einer Harnblasen-
krebs-Erkrankung mit bösartigen Neubildungen ins Kranken-
haus musste. Am Tag der Entlassung kontaktierte Christine Müller einen Pflegedienst, der ab dem folgenden Tag die Pflege zu Hause übernahm, band die Brückenpflege ein und organisierte notwendige Hilfsmittel wie ein Pflegebett und eine Bettpfanne. Außerdem kümmerte sie sich darum, so schnell wie möglich alle Unterlagen für eine Einstufung in die Pflege-
versicherung zusammenzutragen und stellte einen Eilantrag. Die Angehörigen informierte sie über weitere finanzielle Hilfen und stellte den Kontakt zur Altenhilfe Reutlingen her.
Diese intensive Betreuung durch die medizinisch und pflege-
rechtlich geschulte Patientenbegleiterin ist ein zentraler Bestanteil der neuen Versorgungsmodelle, auf die sich das Ärztenetz Reutlingen, die Kreiskliniken Reutlingen und die Bosch BKK im Januar 2007 geeinigt haben. Inzwischen können die Partner eine positive Bilanz ziehen: Über 170 Ärzte haben seither ihre Teilnahme erklärt, rund 6.800 Versicherte machen mit. „Wir Ärzte, das Krankenhaus und die Kranken-
kasse haben uns darauf verständigt, künftig enger bei der Patientenversorgung zusammenzuarbeiten“, erklärt Dr. Bern-
hard Nübel vom Ärztenetz Reutlingen. „Davon profitieren alle Seiten, vor allem aber die Patienten und ihre Angehörigen.“ Die Einbindung der Kreiskliniken Reutlingen soll eine geordnete Überleitung aus dem stationären in den ambulan-
ten Bereich sicherstellen, zum Beispiel durch den Einsatz eines so genannten Überleitungsbogens, mit dem am Entlassungstag aus der Klinik alle wichtigen Informationen für die Weiterbehandlung zur Verfügung gestellt werden. „Die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Kasse und dem Klinikum am Steinenberg funktionierte von Anfang an sehr gut“, betont Prof. Dr. Rudolf Schmid, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kreiskliniken Reutlingen GmbH. „Die engere Verknüpfung des stationären und ambulanten Sektors ist ein wichtiger Schritt, um Schnittstellen zu über-winden und den Wechsel in die nachstationäre Versorgung so einfach wie möglich zu machen.“
Am häufigsten unterstützen die Patientenbegleiter Versicherte mit schweren Erkrankungen wie Krebs, Schlaganfall oder einer Herzerkrankung. Auch ältere Menschen, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, pflegebedürftig zu werden, werden intensiv betreut. Das Engagement zahlt sich letztlich auch für die Krankenkasse aus, erklärt Bernhard Mohr, Vorstand der Bosch BKK: „Wenn wir eine erneute Einweisung ins Kranken-
haus vermeiden, spart das Geld. Aber dank der Betreuung durch die Patientenbegleiterin können Arzt und Patient trotzdem sicher sein, dass der Versicherte gut versorgt ist.“
Bundesweit haben die Patientenbegleiter der Bosch BKK bereits über 1.000 Betreuungsfälle abgeschlossen. Einer internen anonymen Befragung zufolge fühlten sich 80 Prozent der betreuten Patienten sehr gut bzw. gut über Möglichkeiten der medizinischen Versorgung beraten. Ebenfalls 80 Prozent gaben an, die Übergänge zwischen ihren Behandlungen hätten sehr gut bzw. gut geklappt. 89 Prozent waren insgesamt sehr oder überwiegend zufrieden mit der Patientenbegleitung, 91 Prozent werden das Angebot weiterempfehlen.