Mehr Zeit für Patienten
Kooperation gestartet: Zweibrücker Ärzte, Kliniken und Bosch BKK
Zweibrücken, 18. Februar 2008. Wer nach einem Schlag-
anfall, einer Herzerkrankung oder einem schweren Sturz aus dem Krankenhaus entlassen wird, weiß, dass für einen reibungslosen Wechsel vieles bedacht und organisiert werden muss: Der weiterbehandelnde Arzt benötigt so schnell wie möglich alle notwendigen Informationen der bisherigen Behandlung, Pflegeleistungen müssen beantragt oder eine anschließende Reha-Maßnahme organisiert werden. Um diesen Übergang zu erleichtern, haben das Medizinische Qualitätsnetz Zweibrücken GbR (MQZ), die Bosch BKK, das Evangelische Krankenhaus und das St. Elisabeth Kranken/
haus jetzt Verträge über neue Versorgungsmodelle abgeschlossen.
Der erste Schritt dazu war eine Kooperation der Betriebs-
krankenkasse Bosch BKK mit dem MQZ, in dem rund 80 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Zweibrücken und Umgebung organisiert sind. „Wir haben uns zu dieser Zusammenarbeit entschlossen, weil wir beide das gleiche Ziel verfolgen: Wir möchten die medizinische Versorgung der Patienten, aber auch die organisatorischen Abläufe vor Ort verbessern, zum Beispiel indem Informationswege verkürzt werden“, erläutert der Vorsitzende des MQZ Dr. Ulrich Gensch.
Bei der Betreuung schwer Kranker, zum Beispiel bei Schlag-
anfall, Krebs oder einer Herzerkrankung, erhalten die Ärzte personelle Unterstützung durch den Patientenbegleiter der Bosch BKK. Er setzt sich für die zügigere Bearbeitung von Anträgen ein und hilft, den Informationsfluss zwischen Arzt, Kasse, Krankenhaussozialdienst oder Pflegedienst zu erleichtern. Außerdem übernimmt er organisatorische Aufgaben, zum Beispiel beantragt er für den Patienten Reha- oder Pflegeleistungen oder kümmert sich um passende Hilfsmittel wie ein Pflegebett oder einen Duschsitz. „Zeit ist für einen Arzt ein wichtiges Gut“, erklärt Thomas Pferdt, stellver-
tretender Vorstand der Bosch BKK. „Der Patientenbegleiter nimmt ihm viele administrative Aufgaben ab und ermöglicht ihm so, mehr Zeit für die medizinische Versorgung seines Patienten aufzubringen. Für die Abstimmung mit dem Patientenbegleiter erhält der Arzt von uns eine zusätzliche Vergütung.“
Ein weiteres gemeinsames Ziel von MQZ und Bosch BKK ist es, die stationäre und die ambulante Versorgung stärker zu verzahnen. Deshalb haben die Partner nun die beiden Kliniken in die Kooperation eingebunden. Erleichtert wird dies, da beide bereits ein Überleitungsmanagement entwickelt haben, das heißt, dass der Wechsel von Patienten aus dem Kranken-
haus in die nachstationäre Versorgung nach bestimmten Regeln erfolgt. „Beispielsweise benutzen wir einen einheit-
lichen Pflegeüberleitungsbogen, mit dem wir alle Informationen erfassen, die die weiterbetreuenden Stellen benötigen“, erläutert Verwaltungsdirektor Karl-Heinz Weinberg vom Evangelischen Krankenhaus. „Mit Ärzten und Kasse haben wir nun festgelegt, dass der Pflegeüberleitungsbogen noch am Entlassungstag des Patienten weitergeleitet wird“, ergänzt Anton Hans, Geschäftsführer des St. Elisabeth Krankenhauses.
Die Vertragspartner sind überzeugt, dass durch die engere Zusammenarbeit von Ärzten, Krankenhaus und Kasse die Versorgung der Patienten verbessert werden kann, zugleich aber auch effizienter wird. „Eine intensive nachstationäre Betreuung kann erneute Einweisungen ins Krankenhaus verhindern – das spart Geld und der Patient ist trotzdem gut versorgt“, meint Thomas Pferdt von der Bosch BKK. Auch für die Patienten gibt es einen finanziellen Anreiz, denn für die Teilnehmer der neuen Versorgungsmodelle entfällt die Praxisgebühr von bis zu 40 Euro pro Jahr. In zehn weiteren Regionen hat die Bosch BKK bereits vergleichbare Vereinba-
rungen mit Ärzten und Krankenhäusern getroffen. Die Bilanz ist positiv: Insgesamt beteiligen sich dort inzwischen über 1.700 Ärzte und rund 40.000 Versicherte.